Freedom Hospital von Hamid Sulaiman

In den letzten Tagen ist in der Berliner Galerie Crone eine eher außergewöhnliche Ausstellung zu sehen.Hamid Sulaiman präsentiert mit seinen Bildern sein neues Buch Freedom Hospital, das vom Krieg in Syrien handelt, zwar auf fiktiver Ebene, doch mit realen Einflüssen.

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Es gibt verschiedene Methoden, sich mit dem Krieg auseinanderzusetzen, einige verarbeiten ihre Erlebnisse mit Musik, wie z.B. Khebez Dawle (Brot des Staates), deren Mitglieder zur Zeit in Berlin wohnen, andere schreiben Geschichten nieder. Hamid Sulaiman hat die Form eines Graphic Novel verwendet, welches zwar im herkömmlichen Sinne ein Comic ist, aber eher ein Comic für Erwachsene als für Kinder.

Hamid Sulaiman hat in Freedom Hospital, das zunächst auf Französisch erschienen ist, zwar das Elend des Krieges aufgezeichnet, hat aber seine Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden. Er hat diesen grafischen Roman zwar hauptsächlich für Europäer geschrieben, um den Konflikt auf andere Art und Weise darzustellen, aber er hat auch von seinen Freunden eine positive Resonanz erhalten, was ihn sehr stolz gemacht hat. freedom_hospital-extrait_Seite_05

Freedom Hospital ist ein fiktiver Ort, der wahrscheinlich reale Züge enthält. Die zentrale Person der Geschichte ist die syrische Aktivistin Yasmine, die das Krankenhaus gebaut hat, und in dem Ärzte heimlich verletzte Rebellen pflegen, die in anderen Krankenhäusern unter staatlicher Kontrolle wohl den Tod gefunden hätten. Es kommen verschiedene Gruppen in diesem Roman vor, die eine Rolle im Syrienkonflikt spielen, von Rebellen bis zu Assads-Schergen und IS-Kämpfern.

In einem Interview mit der Zeit erzählt der Autor, dass in Syrien oft Orte und öffentliche Gebäude nach der Assad-Familie und der Baath-Partei benannt wurden. Dies änderte sich mit der Revolution, und oft wurde “Freiheit” für die Neubennung verwendet. Daher sieht der Autor den Titel Freedom Hospital als Metapher, als Hoffnung dafür, dass Syrien bald frei ist, und somit das Flüchten und Sterben aufhört. Der Roman enthält auf 280 Seiten ungefähr 1120 Zeichnungen, nicht in Farbe, sondern schwarz-weiß. Jedes Kapitel ist nach den Jahreszeiten benannt. Das letzte Kapitel heißt wieder „Frühling“, da der Autor die Hoffnung nicht aufgibt und die Geschichte nicht mit einem düsteren Schluss enden lassen will.

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Hamid Sulaiman ist 1986 in Damaskus geboren, hat Architektur und bildene Kunst studiert. Nachdem er 2011 an der Revolution teilgenohmen hatte, flüchtete er zuerst nach Deutschland, später nach Frankreich, da er sich als Künstler in Frankreich besser aufgehoben fühlt und die Kultur des Comics dort stärker ausgeprägt ist. Seit 2011 arbeitete er an diesem grafischen Roman. Basierend auf realen Erzählungen, Nachrichten und Youtubeausschnitten erzählt er seine Geschichte. Einer seiner Freunde wurde während der Revolution gefangen genommen und gefoltert, konnte nicht flüchten und starb durch die Folter. Dieses Buch ist ihm gewidmet. In einem Interview mit der „Zeit“ (Zeitmagazin 24. Mai 2016) sagt Hamid Sulaiman:

Objektiv betrachtet ist alles schlecht um mich herum. Krieg, Flucht, Leid überall. Um zu überleben, muss ich aber optimistisch sein. Das berühmte Licht am Ende des Tunnels, ich kann es manchmal sehen, und die Geschichte macht mir Hoffnung. Denn jeder Krieg, egal wie lange er dauerte oder wie brutal er war, ging irgendwann zu Ende.

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Gegenwärtig liegt das Buch auf Französisch in den Editions ça et là vor und soll im nächsten Frühjahr auch auf Deutsch erscheinen.

Die Galerie Crone, Rudi-Dutschke-Str. 26, 10969 Berlin, zeigt noch bis zum 18. Juni in der Ausstellung „Freedom Hospital“ Bilder aus dem Roman

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Mashrou‘ Leila: Eine Band aus Beirut in Berlin

Zum ersten Mal gab die arabische Band Mashrou’ Leila Konzerte in Deutschland. Die Band, die sich nicht scheut, von sensiblen Themen zu singen, die andere Musiker in dieser Form nicht aufgreifen würden, ist zur Zeit eine der erfolgreichsten Indie Bands aus dem Libanon.

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Im April wurde der Band verboten, in Amman bei einem bereits geplanten Konzert aufzutreten, da die Band nicht den religiösen und moralischen Werten des Landes entspräche, und das, obwohl Jordanien als eines der liberalsten arabischen Länder gilt.

Beide Konzerte in Berlin und Frankfurt waren ausverkauft und somit ein voller Erfolg für Mashrou’ Leila. In Berlin spielte sie knapp zwei Stunden lang nicht nur neues Material von ihrem Album Ibn El Leila (Sohn der Nacht), sondern auch ältere Lieder. Die Atmosphäre war wie eine große Party unter Freunden.

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In Local Music Scenes and Globalization: Transnational Platforms in Beirut von Thomas Burkhalter, dem Herausgeber der Online Seite NOrient, beschreibt dieser die Musikszene Beiruts und deren lokale Entwicklung im weiteren globalen Zusammenhang. Die Mitglieder von Mashrou’ Leila (Nächtliches Projekt) kommen alle aus dem Libanon und damit aus dem politischen und kulturellen Kontext, den Burkhalter in seinem Buch beschreibt. Die Mitglieder Hamed Sinno, Ibrahim Badr, Carl Gerges, Haig Papazian und Fiars Abou Fakher haben sich an der Amerikanischen Universität in Beirut kennengelernt. Alle studierten sie Ingenieurwesen, Design oder andere Studiengänge. Ab 2008 fingen sie an, gemeinsam Musik zu machen, und sie merkten schnell, dass sie ihr Hobby auf professioneller Ebene fortsetzen wollten.

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So brachten Sie im November 2015 mittlerweile ihr viertes Album heraus, welches sie Ibn El Leil (Sohn der Nacht) nannten und das sich deutlich durch den elektrischen Sound und der poppigen Musik von den füheren drei Alben unterscheidet.

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Sie haben das Album im Studio La Frette in Frankreich aufgenommen,. Der Sänger, Hamed Sinno gab zwar zu, dass es natürlich einige gute Studios im Libanon gebe, aber dass es für die Band einfacher gewesen sei, im Ausland zu produzieren. Bereits ihr drittes Album Rasoouk haben sie in Kanada aufgenommen.

Sie werden mittlerweile mit Bands wie Radiohead, Wild Beasts und Arctic Monkeys verglichen. Trotzdem hören sie sich anders an und bringen eine eigene Klangfarbe in ihre Lieder. Ihre Musik ist nicht unbedingt orientalisch, und die Band möchte sich selber auch nicht als orientalisch bezeichen. Sie schreibt Musik über das, „was sie denkt, und es geht dabei nicht darum, dass sich die Musik orientalisch oder europäisch anhört.” Die Band bezieht ihre Inspiration aus einer Vielzahl unterschiedlicher Musikgenres und will sich nicht in eine spezifische Nische stellen lassen. Sie will vielmehr als Indie Band bezeichnet werden und nicht als eine Band, die Weltmusik spielt.

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Ihr Erfolg hat aber auch eine andere Seite: Wegen ihrer Haltung zu politischen, gesellschaftlichen und sozialen Themen werden sie besonders in der arabischen Welt sehr kritisiert. In sozialen Netzwerken wurden sie schon mehrfach wegen ihrer Lieder und ihrer sexuellen Orientierung angegriffen, wobei sie aber andererseits auch eine Menge Unterstützung erhielten, besonders  nach dem Vorfall in Amman.

Sie wollen so lange Musik machen wie sie können, und dabei ist das Wichtigste, dass sie ihre Identität bewahren und gegenüber sich und ihrem Publikum ehrlich bleiben. Daher zögeren sie bisher, bei einer der großen Plattenfirmen zu unterschreiben. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass die bestehenden arabischen Plattenfirmen stets auf direkte oder indirekte Weise auf die Musik, Produktion oder das Marketing Einfluss nehmen wollen. Dies ist einer der Gründe, warum Mashrou’ Leila bisher ihre Alben mit anderen Mitteln finanziert haben – z.B. das dritte Album durch Crowdfunding. #Occupyarabpop, womit sie einen alternativen Weg zur Finanzierung unabhängiger Musik entwickeln will.

Zwei Bücher beschäftigen sich mit der indie/underground Szene im Libanon, dem Heimatland von Mashrou Leila. Zum einen ist das oben genannte Werk Local Music Scenes and Globalization: Transnational Platforms in Beirut. von Thomas Burkhalter (Taylor and Francis, 2014) sowie Untitled Tracks: On Alternative Music in Beirut. Herausgegeben von Ziad Nawfal und Ghalya Saadawi (Amers Edition 2009). Außerdem wurde vor einiger Zeit eine Dokumentation über die underground Szene in der arabischen Welt veröffentlicht: Yallah Underground von Farid Eslam (Istanbul United!).

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Mashrou Leila spielt am 6.Oktober wieder in Berlin – dieses Mal im Astra. Wer die Band live sehen und hören möchte, sollte sich früh um Karten kümmern. Die Konzerte in Berlin und Frankfurt waren schnell ausverkauft.

Islamisches Recht – Ein Lehrbuch

In seiner Einführung zum Islamischen Recht schrieb Joseph Schacht (1902-1969), dass man den Islam nicht verstehen könne, ohne das islamische Recht zu verstehen, da er dies als “den Kern des Islam” charakterisierte.  Joseph Schacht war zwar selber nicht an der Universität Leipzig, jedoch war er stark von der Leipziger Schule beeinflusst. Die Leipziger Schule umfasste zum Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Gelehrten, die sich intensiv mit dem islamischen Recht befassten und erstmalig grundlegende Werke zu diesem Gebiet veröffentlichten.

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Joseph Schacht

Als Gotthelf Bergsträßer (1886-1933) an der Universität Leipzig Philosophie, Sprachwissenschaft und semitische Philologie studierte, war ihm wahrscheinlich nicht bewusst, dass er etwa 100 Jahre später als eines der wichtigstens Orientalisten der Gegenwart angesehen werden sollte. Neben der Veröffentlichung zu verschiedenen hebräischen, arabischen und aramäischen Themen veröffentlichte er ebenso Werke über den Koran, und nach seinem Tod wurden mit Hilfe von Joseph Schacht Die Gründzüge des Islamischen Rechts im Jahre 1935 veröffentlicht.

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Nun schreiben wir das Jahr 2016, knapp 81 Jahre später stellten Hans-Georg Ebert, Julia Heilen und der Verleger Faycal Hamouda am 20.April 2016 das neue Buch Islamisches Recht – Ein Lehrbuch vor.

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Was ist die Scharia? Was ist Jihad? Was sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Rechtsschulen? Wie sehen islamische Staatskonzeptionen aus? Wie hat sich das islamische Recht in der Moderne weiter entwickelt? Dies sind nur einige Fragen mit denen sich dieses Buch beschäftigt und mit gleichermaßen westlicher und arabischer Literatur zu beantworten versucht.

Islamisches Recht – Ein Lehrbuch ist nicht nur für Studierende von Interesse, sondern richtet sich vor allem an ein breites Publikum. Dieses Werk richtet sich an Muslime und Nicht-Muslime gleichermaßen und kann durch seine religionsneutrale Sichtweise von jedem verwendet werden.

 

Aus dem Inhalt:

– Grundlagen und Grundbegriffe des Islamischen Rechts

– Historische Herausbildung des Islamischen Rechts

– Islamische Rechtsquellenlehre

– Gelehrte und Institutionen des Islamischen Rechts

– Islamische Staatskonzeptionen

– Gottesdienstliche Handlungen

– Rechtsgebiete jenseits des Ritualrechts

– Islamisches Recht im Alltag

– Islamisches Recht in der Moderne