Mashrou‘ Leila: Eine Band aus Beirut in Berlin

Zum ersten Mal gab die arabische Band Mashrou’ Leila Konzerte in Deutschland. Die Band, die sich nicht scheut, von sensiblen Themen zu singen, die andere Musiker in dieser Form nicht aufgreifen würden, ist zur Zeit eine der erfolgreichsten Indie Bands aus dem Libanon.

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Im April wurde der Band verboten, in Amman bei einem bereits geplanten Konzert aufzutreten, da die Band nicht den religiösen und moralischen Werten des Landes entspräche, und das, obwohl Jordanien als eines der liberalsten arabischen Länder gilt.

Beide Konzerte in Berlin und Frankfurt waren ausverkauft und somit ein voller Erfolg für Mashrou’ Leila. In Berlin spielte sie knapp zwei Stunden lang nicht nur neues Material von ihrem Album Ibn El Leila (Sohn der Nacht), sondern auch ältere Lieder. Die Atmosphäre war wie eine große Party unter Freunden.

https://www.youtube.com/watch?v=BkMOeydk-F0

In Local Music Scenes and Globalization: Transnational Platforms in Beirut von Thomas Burkhalter, dem Herausgeber der Online Seite NOrient, beschreibt dieser die Musikszene Beiruts und deren lokale Entwicklung im weiteren globalen Zusammenhang. Die Mitglieder von Mashrou’ Leila (Nächtliches Projekt) kommen alle aus dem Libanon und damit aus dem politischen und kulturellen Kontext, den Burkhalter in seinem Buch beschreibt. Die Mitglieder Hamed Sinno, Ibrahim Badr, Carl Gerges, Haig Papazian und Fiars Abou Fakher haben sich an der Amerikanischen Universität in Beirut kennengelernt. Alle studierten sie Ingenieurwesen, Design oder andere Studiengänge. Ab 2008 fingen sie an, gemeinsam Musik zu machen, und sie merkten schnell, dass sie ihr Hobby auf professioneller Ebene fortsetzen wollten.

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So brachten Sie im November 2015 mittlerweile ihr viertes Album heraus, welches sie Ibn El Leil (Sohn der Nacht) nannten und das sich deutlich durch den elektrischen Sound und der poppigen Musik von den füheren drei Alben unterscheidet.

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Sie haben das Album im Studio La Frette in Frankreich aufgenommen,. Der Sänger, Hamed Sinno gab zwar zu, dass es natürlich einige gute Studios im Libanon gebe, aber dass es für die Band einfacher gewesen sei, im Ausland zu produzieren. Bereits ihr drittes Album Rasoouk haben sie in Kanada aufgenommen.

Sie werden mittlerweile mit Bands wie Radiohead, Wild Beasts und Arctic Monkeys verglichen. Trotzdem hören sie sich anders an und bringen eine eigene Klangfarbe in ihre Lieder. Ihre Musik ist nicht unbedingt orientalisch, und die Band möchte sich selber auch nicht als orientalisch bezeichen. Sie schreibt Musik über das, „was sie denkt, und es geht dabei nicht darum, dass sich die Musik orientalisch oder europäisch anhört.” Die Band bezieht ihre Inspiration aus einer Vielzahl unterschiedlicher Musikgenres und will sich nicht in eine spezifische Nische stellen lassen. Sie will vielmehr als Indie Band bezeichnet werden und nicht als eine Band, die Weltmusik spielt.

https://www.youtube.com/watch?v=wCSpHq7Qknw

Ihr Erfolg hat aber auch eine andere Seite: Wegen ihrer Haltung zu politischen, gesellschaftlichen und sozialen Themen werden sie besonders in der arabischen Welt sehr kritisiert. In sozialen Netzwerken wurden sie schon mehrfach wegen ihrer Lieder und ihrer sexuellen Orientierung angegriffen, wobei sie aber andererseits auch eine Menge Unterstützung erhielten, besonders  nach dem Vorfall in Amman.

Sie wollen so lange Musik machen wie sie können, und dabei ist das Wichtigste, dass sie ihre Identität bewahren und gegenüber sich und ihrem Publikum ehrlich bleiben. Daher zögeren sie bisher, bei einer der großen Plattenfirmen zu unterschreiben. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass die bestehenden arabischen Plattenfirmen stets auf direkte oder indirekte Weise auf die Musik, Produktion oder das Marketing Einfluss nehmen wollen. Dies ist einer der Gründe, warum Mashrou’ Leila bisher ihre Alben mit anderen Mitteln finanziert haben – z.B. das dritte Album durch Crowdfunding. #Occupyarabpop, womit sie einen alternativen Weg zur Finanzierung unabhängiger Musik entwickeln will.

Zwei Bücher beschäftigen sich mit der indie/underground Szene im Libanon, dem Heimatland von Mashrou Leila. Zum einen ist das oben genannte Werk Local Music Scenes and Globalization: Transnational Platforms in Beirut. von Thomas Burkhalter (Taylor and Francis, 2014) sowie Untitled Tracks: On Alternative Music in Beirut. Herausgegeben von Ziad Nawfal und Ghalya Saadawi (Amers Edition 2009). Außerdem wurde vor einiger Zeit eine Dokumentation über die underground Szene in der arabischen Welt veröffentlicht: Yallah Underground von Farid Eslam (Istanbul United!).

https://www.youtube.com/watch?v=sx5AC9jy6cE

Mashrou Leila spielt am 6.Oktober wieder in Berlin – dieses Mal im Astra. Wer die Band live sehen und hören möchte, sollte sich früh um Karten kümmern. Die Konzerte in Berlin und Frankfurt waren schnell ausverkauft.

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